KLIMAWANDEL: Wetterexperte Sven Plöger tritt im Oldenburger Landesmuseum Natur und Mensch auf
Amüsant erklärte der Meteorologe die Hintergründe zur Klimadebatte. Der Publikumsandrang war so stark, dass Dutzende draußen bleiben mussten. Sie verpassten eine gewitzte Lehrstunde. VON TIMO EBBERS
OLDENBURG – Vielleicht hätte Sven Plöger lieber eine Stunde Physikunterricht erteilt, doch die wäre wohl nicht so amüsant gewesen. Mit rheinländischem Charme wickelte der Diplom-Meteorologe und Wettermoderator sein Publikum um den Finger, während er mit Statistiken und physikalischem Sachverstand eine ernste These darlegte: Der Klimawandel findet statt, und er ist eine Gefahr für die Menschheit.
Etwa 200 Gäste hatten am Donnerstagabend bei der Veranstaltung zum 30-jährigen Bestehen der Umweltstiftung Weser-Ems noch Plätze im Oldenburger Landesmuseum Natur und Mensch ergattert. Dutzende blieben draußen vor der Tür stehen, darunter viele, die auf persönliche Einladungen verwiesen. Es nutzte nichts, sie verpassten eine hoch unterhaltsame Lehrstunde über die Zusammenhänge von Wetter und Klima.
Zu Beginn seines Vortrags verdeutlichte Plöger den menschlichen Fußabdruck anhand des Bevölkerungswachstums. „7,7 Milliarden Menschen leben heute auf der Erde. Als ich vor 52 Jahren geboren wurde, waren es noch 3,4 Milliarden“, sagte Plöger.
Die einzelnen Statistiken überzeugten, auch wenn offen blieb, wie genau sich der Klimawandel aus Überbevölkerung und dem vermehrten Ausstoß von Kohlenstoffdioxid herleiten lässt. Plöger rief dazu auf, die Energiewende konsequent voranzutreiben: „Acht bis 15 Jahre haben wir noch Zeit, um das zu tun, was wir uns in Paris versprochen haben.“
Pessimismus oder Weltuntergangsszenarien ließ er jedoch nicht gelten. „Wenn wir anfangen, uns zu erzählen, dass alles schon zu spät ist, dann werden wir uns nicht motivieren können“, warnte er.
Ein zentraler Punkt seines Vortrags war die Unterscheidung zwischen Wetter und Klima. Waren der Dürresommer 2018 und die Hitzerekorde 2019 natürliche Ausschläge des Wetters oder Folgen eines globalen Klimawandels? Als Wetter, also der physische, sinnlich erfahrbare Zustand der Atmosphäre, seien Hitzetage nicht bedenklich. „Die hat es immer schon mal gegeben“, erklärte Plöger. Doch erst die Betrachtung solcher Wetterlagen über eine lange Zeit erlaube Rückschlüsse auf das Klima.
Die Häufigkeit extremer Wetterlagen sei etwas Besonderes, so Plöger. In einer Grafik des Deutschen Wetterdienstes zeigte er die Temperaturanomalien von 1881 bis 2018. Trotz aller Schwankungen zeichnete sich ein klarer Trend nach oben ab. Die Veränderungen, die heute sichtbar seien, habe die Klimaforschung bereits vor 30 Jahren vorausgesagt. „Es besteht also Grund zur Annahme, dass die Forschung mit ihren Warnungen richtig liegt.“
Wie stark sich bereits geringe Temperaturschwankungen global bemerkbar machen, verdeutlichte er mit einem Beispiel: Seit der letzten Eiszeit vor 11.000 Jahren sei die Temperatur um nur vier Grad Celsius gestiegen, aber allein in den vergangenen hundert Jahren um ein Grad Celsius. Für die kommenden hundert Jahre werde ein Anstieg von zwei bis vier Grad Celsius erwartet. „Das bedeutet, dass die Temperatur immer schneller steigt und die Veränderungen rasanter verlaufen. Das ist dann eine völlig andere Welt“, prognostizierte Plöger.
Mit Humor nahm der Meteorologe aktuelle Phänomene wie Populismus, die Debatte um Klimaschutz oder üppige Geländewagen in der „Wohlstandsgarage“ aufs Korn – ohne jedoch anklagend zu wirken. Gleichzeitig machte er deutlich, dass die physikalischen Gesetze unbarmherzig bleiben: „Meinungen interessieren die Physik nicht. Die passiert einfach“, sagte er lapidar.
Irgendwann, so Plöger, werde der Druck durch extreme Wetterlagen so groß, dass die Menschen zum Handeln gezwungen würden.
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